Schüler erleben MINT-Fächer

Der Wormser Verein „MINTeinander“ hat bei seinem ersten Festival in der Nibelungenstadt großen Zuspruch erfahren. Die Arbeit des Vereins könnte sich bald noch ausweiten.

Wormser Zeitung / Lokales – Montag, 26. Oktober 2026
Von Christopher Hechler

WORMS. Haben Sie schon einmal einen in zwei Teile zerlegten Hybridmotor eines Autos gesehen? Oder mit Chemikalien experimentiert, die Sie zuvor noch nie in der Hand hatten? Oder aber vielleicht selbst einmal Mosaiksteinchen geklebt, einen 3D-Drucker ausprobiert oder sich angesehen, wie genau eigentlich die Kanalisation unter der Nibelungenstadt auf Schäden überprüft wird? Das erste „MINT-Festival“ in Worms machte dies – und noch vieles mehr – am vergangenen Freitag zunächst Schülern und ab Mittag Interessierten jeden Alters möglich.

Allein am Vormittag seien dafür bereits mehr als 1.100 Schüler aus der vierten, sechsten und achten Klassenstufe zum Festival in das Kultur- und Tagungszentrum „Das Wormser“ gekommen, sagte Jens Emrich von Kajdacsy, Vorstandsmitglied von „MINTeinander“. Der Wormser Verein will die Begeisterung insbesondere von Kindern und Jugendlichen für die vier Bildungsbereiche Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik (kurz: MINT) fördern und stellte sich im August dieses Jahres erstmals in größerem Rahmen der Öffentlichkeit vor. Nun, wenige Wochen später, konnte der Erste Vorsitzende des Vereins, Stephan Müller, bereits ankündigen, das Netzwerk und die Arbeit von „MINTeinander“ auch nach Alzey bringen zu wollen. Möglich mache dies unter anderem auch das Engagement eines Lehrers, der dort arbeitet, so Müller.

„In diesem Alter kann man die Schüler noch richtig abholen“

Von denen waren beim Festival ebenfalls zahlreiche anwesend. Darunter auch Leszek Lupa, Schulleiter des Eleonoren-Gymnasiums in Worms und Mathematik- sowie Physiklehrer. „Wir sind heute mit elf Klassen da“, sagte er im Gespräch mit dieser Redaktion – Zwölftklässler, die sich um die Verpflegung der Gäste kümmerten, inklusive. Die Entstehungsgeschichte des Vereins habe er im Austausch mit ebendiesen mitbekommen. „Und es war ganz klar: Die Schulen müssen als Besucher und Unterstützer mit ins Boot“, so Lupa. Der viele Unterricht in der Schule treffe beim Festival auf die Praxis.

„Die Schule ist ein geschlossenes System“, sagte der Schulleiter: „Deshalb müssen wir die Außenwelt entweder reinholen, was wir viel machen, oder wir müssen hinausgehen und sie uns anschauen.“ Denn die Neugier bei den Schülern sei da und müsse erhalten werden. Bei einer Experimentiershow am Vormittag sei dies besonders deutlich zu sehen gewesen. „In diesem Alter kann man die Schüler noch richtig abholen“, betonte Lupa. Ihm zufolge sei es wichtig zu zeigen, was die MINT-Fächer alles möglich machen. Der Schulleiter lobte die Veranstaltung aber auch ganz allgemein: „Eine solche schulformübergreifende Bildungsveranstaltung im Herzen von Worms hebt den Stellenwert von Bildung hervor“, sagte Lupa.

Zugleich war das Festival für die zahlreichen Aussteller – darunter beispielsweise das Chemieunternehmen Renolit, die Hochschule Worms, der Energieversorger EWR, Satware AI, der Arbeiter-Samariter-Bund, Elektro Knies und die Handwerkskammer Rheinhessen – eine Möglichkeit, sich möglichen künftigen Mitarbeitern vorzustellen. Die Entsorgungs- und Baubetrieb AöR der Stadt Worms (ebwo) etwa, machte auf dem „MINT-Festival“ deutlich, welche naturwissenschaftlichen Fähigkeiten im Unternehmen gebraucht werden. So seien Umwelttechnologen beispielsweise für die Abwasserbewirtschaftung unerlässlich, war dort zu hören. „Veranstaltungen wie diese sind sehr wichtig, man muss präsent sein“, sagte eine Mitarbeiterin aus dem ebwo-Team mit Blick auf den Nachwuchs.

Inwiefern die MINT-Fächer auch dort vertreten sind, wo man sie auf den ersten Blick vielleicht nicht vermutet, zeigte außerdem das erste vollelektrische ebwo-Müllauto, das direkt vor dem „Wormser“ geparkt auf Besucher wartete. Beim Kanalinspektionsauto war obendrein zu sehen, wie sich eine kleine Kamera auf vier Rädern durch den Wormser Untergrund bewegt, um die Kanäle auf Schäden zu untersuchen. Der älteste fast 130 Jahre alt –, moderne MINT-Welten und das alte Hand-Werk treffen hier wortwörtlich aufeinander. Und einen Frosch, der es sich in den dunklen Kanälen bequem machte, gab es ebenfalls zu sehen.

Zweite Festival-Auflage könnte in zwei Jahren folgen

Der „MINTeinander“-Vorsitzende Stephan Müller betonte etwa zur Halbzeit des Festivaltages: „Wenn wir zusammenstehen, sind wir in der Lage, für und mit Worms etwas Großes zu bewegen.“ Sichtlich vom Verlauf der ersten Festival-Auflage überzeugt, sagte er weiter, dass ein zweites „MINT-Festival“ – „vielleicht in zwei Jahren“ – sicherlich folgen werde.

Als sich „MINTeinander“ in der Hochschule Worms vor wenigen Wochen erstmals im größeren Rahmen der Öffentlichkeit vorstellte, warf Müller die Frage in den Raum, ob in den vergangenen Jahren „zu oft zu kurzfristig“ gedacht und ob den Kindern und Jugendlichen auch „zu wenig zugetraut“ worden sei. „Haben wir möglicherweise zu lange davon gelebt, dass Deutschland wirtschaftlich stark ist, dass Innovation von allein entsteht, dass unser Wohlstand selbstverständlich bleibt?“, fragte Müller. Der Verein wolle aber nicht zurückschauen oder gar Schuldige suchen. Womöglich, so der Vorsitzende damals, liege der Ursprung von „MINTeinander“ in der Erkenntnis, dass „wir etwas verändern und jetzt damit anfangen müssen“.

Weitere Infos unter: www.minteinanderworms.de/mint-festival

Pressemitteilung: Wormser Zeitung (VRM) & Kommunikation | MINTeinander Worms e. V.